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Zukunft hat

Vorfahrt

Teilnehmer diskutieren über Gleisbereiche und Auen-Querungen

Auftakt der Bürgerworkshops für die Campusbahn am 12. November 2018

Eine Frage werde ihm immer wieder gestellt, verriet Oberbürgermeister Ulrich Markurth in seiner Begrüßungsansprache für die Besucher des ersten Bürger-Workshops zur geplanten Campusbahn-Trasse: „Woher sind Sie sich eigentlich so sicher, dass die Stadtbahn das Verkehrsmittel der Zukunft ist?“ Die regelmäßige Antwort von Markurth: „Wir wissen es nicht. Aber die Stadtbahn ist nach heutigem Stand das am besten geeignete Verkehrsmittel, um viele Menschen von A nach B zu befördern.“ Und letzteres soll auch die Campusbahn tun, auf einer Strecke von vier Kilometern, von der Hamburger Straße bis nach Querum.

Dass es in den betroffenen Stadtteilen auch Skeptiker gebe, erwähnte kurz darauf Angela Marten, Bezirksbürgermeisterin der Nordstadt. Dem schloss sich Gerhard Stülten als Bezirksbürgermeister Wabe-Schunter-Beberbach an und sprach dabei konkret den naturschutzrechtlich sensiblen Bereich der Auen an Mittelriede und Wabe in der Mitte der Strecke an. Doch Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer kündigte schon vorab an: Sollte sich dieser Bereich als problematisch erweisen, werde ganz offen darüber diskutiert – gemäß des allgemeinen Mottos aller Bürger-Workshops.

Leuer verwies aber auch auf die großen Vorteile der Trasse, die nicht nur verschiedene Campus-Bereiche der TU miteinander verbindet. Vor allem die Anbindung der Neubaugebiete in der Nordstadt sowie Holzmoor-Nord und Dibbesdorfer Straße Süd in Querum sei ein großes Plus. Teilprojektleiter Roland Böttcher verdeutlichte das später anhand von konkreten Zahlen. Derzeit gebe es entlang der Trasse rund 11 500 Anwohner. Bis 2030 werde diese Zahl aufgrund der Neubaugebiete jedoch auf voraussichtlich rund 17 700 Anwohner gestiegen sein.

Die Herausforderungen bei der Umsetzung der Trasse: Zum einen müssen die Stadtbahngleise parallel zum Anschlussgleis des Heizkraftwerkes Mitte in Richtung Osten realisiert werden. Zum anderen ist ein mächtiges, aber unverzichtbares Brückenbauwerk über DB-Gleisanlage, Mittelriede und Wabe zu errichten. Und nicht zuletzt soll sich die Stadtbahntrasse auch gut in die bestehende Siedlungsstruktur Querums einfügen.

Diese drei Herausforderungen beschäftigten dann auch vorwiegend die insgesamt knapp 200 Teilnehmer an den elf Dialogstationen im VIP-Bereich des Eintracht-Stadions. In einer Arbeitsgruppe wurde gerechnet: Wie breit würde der Bereich für Anschlussgleis des Heizkraftwerkes und Stadtbahn nebeneinander? 3,50 Meter für das Anschlussgleis, 8 Meter für die zweigleisige Stadtbahntrasse, dazu kommen an einigen Abschnitten noch zusätzlich Fuß- und Radwege, im Bereich möglicher Rampen für die Brücke über die Eisenbahn zusätzlich Fläche für Böschungen. Ergebnis: In einigen Bereichen kann die Verkehrstrasse bis zu 20 Meter breit ausfallen. Allerdings: Sollte BS Energy das Gleis für das Heizkraftwerk künftig nicht mehr nutzen wollen, würde Fläche gespart. Ob das Unternehmen auf das Gleis verzichten wird, ist derzeit noch ungewiss.

Der Bereich der Auen sei eine wichtige Frischluftschneise, zu deren Gunsten einst sogar Kleingärten weichen mussten, wandte ein Diskussions-Teilnehmer in seiner Gruppe ein. Wie passe das mit dem geplanten Brückenbauwerk zusammen? Michael Walther von der Stadt erklärte jedoch, dass die Frischluftschneise in jedem Fall erhalten bleibe. Die etwa 200 Meter lange Brücke würde mit so wenigen Stützpfeilern wie nötig errichtet. „Die Frischluftschneise wird dadurch nicht beeinträchtigt“, erklärte er.
Allerdings entwickelte sich in der gleichen Gruppe eine Diskussion darüber, ob eine solch große Brücke in einem landschaftlich geprägten Bereich wünschenswert ist. „Ich möchte in meiner Stadt auch Flächen haben, die von Verkehr völlig frei sind“, argumentierte eine Frau. Freiflächen zum Spazieren und Ruhebereiche seien für die Bürger wichtig. Dem hielt ein anderer Teilnehmer entgegen, dass auf der DB-Strecke in Zukunft ohnehin mehr Güter- und Personenzüge verkehren würden. Und: „Eine West-Ost-Trasse nur für den öffentlichen Verkehr sowie Fußgänger und Radfahrer wäre in Braunschweig mal ein klares Statement.“

Und trotzdem wurde über Alternativen gefachsimpelt, mal im großen Stil, mal im kleinen. Einige Bürger setzten sich dafür ein, dass Querum über die nach Volkmarode-Nord führende Trasse angebunden werden soll. Dadurch könne auch die geplante Wendeschleife in Gliesmarode eingespart werden, so das Argument. Allerdings: Ein eigener Gleiskörper sei entlang der Querumer und Bevenroder Straße nicht zu realisieren, so der Einwand der anderen Seite. Zudem sei die Erschließungswirkung geringer.

Aber auch im Falle eines Festhaltens an der West-Ost-Trasse wurden Alternativen ins Spiel gebracht. Ist eine Führung der Trasse durch Pepperstieg und Essener Straße in Querum denkbar, um an anderer Stelle mehr Grünfläche zu erhalten? Und: Könnte die geplante Linie nicht auch an die neue Wendeschleife an der Ottenroder Straße angebunden werden und die Brücke etwas weiter nördlich gebaut werden? In jedem Fall, fasste Karolin Thieleking vom Planungsbüro KoRis am Ende zusammen, wünschten sich viele eine Visualisierung der geplanten Brücke, um sich ein besseres Bild von den Dimensionen machen zu können. Daran werde nun gearbeitet, zudem kämen natürlich alle anderen Ideen und Anregungen auf den Prüfstand.

„Ich muss Ihnen ein Lob für ihre konstruktive Mitarbeit machen. Die Art der Diskussion hat mir sehr gut gefallen“, lobte Klaus Benscheidt, Leiter des städtischen Fachbereichs Tiefbau und Verkehr, zum Abschluss noch einmal den fairen Umgang aller Teilnehmer miteinander. Ein zweiter Workshop ist für Frühjahr 2019 geplant, ein dritter soll dann im Sommer folgen.

 

Über die Bürgerworkshops für das Stadtbahnausbauprojekt Stadt.Bahn.Plus

Im Februar 2017 wurden Stadt und Verkehrs-GmbH vom Rat beauftragt, das Zielnetz 2030 von Stadt.Bahn.Plus weiter zu planen.
Das Beteiligungsverfahren ist im Dezember 2017 mit einer Vorstellung und Diskussion der ersten Vorschläge zur Trassenführung gestartet. Es folgten Bürgerworkshops für die Projekte Volkmarode-Nord und Rautheim/Lindenberg, die im Sommer 2018 abgeschlossen werden konnten. Die politischen Gremien der Stadt Braunschweig haben Verkehrs-GmbH und Stadtverwaltung  am 6. November 2018 per Ratsbeschluss beauftragt, die Detailplanungen für die erarbeiteten Trassenvorschläge dieser ersten beiden Projekte aufzunehmen.
Für das Projekt Salzdahlumer Str./Heidberg sind die Bürgerworkshops Ende August 2018 gestartet, der Beteiligungsprozess für die Campusbahn ist mit einem ersten Bürgerworkshop am 12. November 2018 eröffnet worden.

   


Steckbrief Campusbahn

Bewertungsfaktor: 1,6 | Länge: ca. 4,0 km | Baukosten: ca. 41,4 Mio. €                          © OpenStreetMap-Mitwirkende

* in Verbindung mit Projekt Salzdahlumer Straße

                       

Kurzbeschreibung

Die Campusbahn zweigt von der Hamburger Straße in Höhe des ehemaligen Pressehauses ab und führt parallel zum Anschlussgleis des Heizkraftwerkes Mitte in Richtung Osten. Im weiteren Verlauf führt sie an den Baugebieten der neuen Nordstadt vorbei und zwischen dem TU-Campus Nord sowie dem TU-Campus Beethovenstraße hindurch. Danach überquert die Strecke die Bahnstrecke Braunschweig-Uelzen sowie die Mittelriede und die Wabe, bevor die Trasse Querum erschließt. 

Kontext

Die Campusbahn ist im Zuge der ersten Stufe des Stadtbahnausbaukonzeptes in der Öffentlichkeit immer wieder positiv wahrgenommen worden.

Durch den Erwerb des Anschlussgleises durch die städtische Hafenbetriebsgesellschaft scheint eine gemeinsame Führung Anschlussgleis/Campusbahn leichter realisierbar. 

Herausforderungen

Durch die Führung parallel zum Anschlussgleis ergibt sich über rund die Hälfte der Strecke eine sehr „gleislastige“ Führung, teils durch den als Grünanlage geplanten „Nordpark“.

Im Bereich der Querung von Bahnstrecke/Mittelriede/Wabe ist in einem landschaftlich geprägten Bereich ein langgestrecktes Brückenbauwerk sensibel zu integrieren.

Chancen

Die Campusbahn ist planerisch bereits in allen aktuellen Bebauungsplänen (Hamburger Straße Südost (HA 132), Mittelweg Südwest (HA 113), Taubenstraße (HA 135), Nordanger (HA 136), Holzmoor-Nord (GL 51), Dibbesdorfer Straße (QU 62)) entlang der Strecke berücksichtigt. Durch diese integrierte Planung erscheint hier die Umsetzung einer nachhaltigen Verkehrsplanung, die auf den Verzicht auf das (Zweit-) Auto setzt, möglich.

Kurze Fahrzeiten und ein stabiler Fahrplan sind aufgrund einer durchgängig auf besonderem Bahnkörper möglichen Trasse erreichbar.